Menschen in Mülheim
Teamgeist für alle Typen
Dr. Hermes Thomas hat ein Rezept gegen zu wenig Bewegung bei Kindern: Kanupolo. Die Förderung des Jugendsports liegt dem Vorsitzenden des Kanuvereins MKSF ( kurz für Mülheimer Kanu- und Skifreunde) am Kassenberg besonders am Herzen.
Die Kinder heute, so wird oft geklagt von Eltern und Lehrern, verbringen zu viel Zeit vor dem PC und zu wenig an der frischen Luft. Dr. Hermes Thomas hat ein Rezept, wie man Jungs – und Mädchen natürlich auch – ins Freie locken kann. Seine Begeisterung für Kanupolo teilt der Mediziner nicht nur mit seinen drei Söhnen, die Förderung des Jugendsports liegt dem Vorsitzenden des Kanuvereins MKSF (= Mülheimer Kanu- und Skifreunde) am Kassenberg besonders am Herzen.
Im Berufsleben ist Dr. Thomas Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie. Weil die beiden Mülheimer Krankenhäuser in diesem Bereich kooperieren, hat der Narkose-Experte die operative Intensivstation am Evangelischen Krankenhaus geleitet und ist derzeit für die Koordination der OPs im St. Marien-Hospital zuständig.
In seiner Freizeit arbeitet er viele Stunden ehrenamtlich für den Kanu-Verein, organisiert, gemeinsam mit anderen engagierten Erwachsenen, Turniere für die Kanupolomannschaften, fährt auch mal selbst den Transporter für Kinder und Kanus. Entspannung vom Arbeitsalltag hat Thomas, 49, von jeher auf und im Wasser gesucht, beim Segeln, beim Paddeln im Urlaub, beim Schwimmen.
Vor elf Jahren kam Hermes Thomas, der aus dem Siegerland stammt, mit seiner Familie nach Mülheim. Sein ältester Sohn, heute 18 Jahre, fing damals als Wanderfahrer, als „normaler” Paddler also, im Kanuverein an. Doch dann entdeckte er den Kanupolo-Sport für sich – und der Vater war gleich „so fasziniert, dass ich mich selbst engagiert haben”. Er half, wo er konnte, als Betreuer, als Organisierer. Inzwischen ist der Sport eine Familienangelegenheit: Auch Thomas' jüngere Söhne spielen beide Kanupolo, der Vater ist Vorsitzender des Vereins.
In dieser Eigenschaft sieht Thomas sich als Mittler zwischen den Generationen, denn unter den 160 Mitgliedern sind ja nicht nur rund 40 Kinder und Jugendliche, sondern eben auch ältere Erwachsene und Senioren – „das geht bis zum 82-Jährigen, der in diesem Jahr noch sein Goldenes Kanuabzeichen macht.”
Der Polosport ist allerdings nur was für die Jüngeren. Kinder, die Kanupolo spielen lernen wollen, müssen sicher im Boot sein und vor allem gut schwimmen können. „Sie müssen die Eskimorolle lernen”, sagt Thomas. Unter zehn ist kein Kind in einer Mannschaft. Thomas weiß genau, was die Kids an dem Sport reizt: „Das ist ein intensiver und sehr schneller Sport. Man hat Körperkontakt wie beim Rugby und American Football.” Auf Geschicklichkeit, Geschwindigkeit und Ballgefühl komme es an. Und das alles im Boot auf dem Wasser.
Doch auch viel taktische und strategische Elemente gehörten dazu: Die Jugendlichen sprächen oft vom „Zocken”, berichtet Hermes Thomas.
Weil Kanupolo ein Mannschaftssport ist, werde auch der Teamgeist gefördert und die unterschiedlichsten Typen zusammengeführt. „Man braucht hier jeden – den schnellen Sprinter, den überlegenden Taktiker und auch einen unverschiebbaren Pfeiler in der Abwehr”, zählt Hermes Thomas auf. Also sei Kanupolo durchaus auch für übergewichtige Kinder ein guter Sport. Bei dem man wohl überflüssige Kilos schnell verliert. Allein schon, weil die Zeit, die beim Zocken vor dem PC verbracht werden kann, knapper wird: „Der Sport fasziniert viele Kinder so sehr, dass sie zwei- bis fünfmal in der Woche auf dem Wasser sind.”
Quelle: WAZ 13.10.2009




